Die 7 Weltwunder der Antike

Der Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria


Standort:Nahe der ägyptischen Küste, 25 Kilometer westlich des kanopischen Nilarmes.
Bauherr:PtolemaiosI.und II.
Bauzeit:von etwa 299 bis 279 v. Chr.

Pharos war eine kleine Insel nahe der ägyptischen Küste, 25 Kilometer westlich des kanopischen Nilarmes. Da es der Gegend an natürlichen Landmarken mangelte, und die Schiffe auch nachts ein- und auslaufen mussten, wurde es für nötig befunden, den Eingang des Hafens zu markieren, da er bei mäßiger Sicht kaum gegen den Hintergrund auszumachen war. Der Turm wurde von Sostratos von Knidos von etwa 299 bis 279 v. Chr. im Auftrag von Ptolemaios I. erbaut,der 800 Talente (21.000 kg) Silber bereitstellte. Der Bau wurde erst unter der Herrschaft von Ptolemaios II. fertiggestellt. Eusebius von Caesarea erwähnte den Pharos für das Jahr 282 v. Chr., was für dessen Fertigstellung um spätestens 282 spricht und einer Bauzeit zwischen 17 und 20 Jahren entspricht. Die Arbeiter waren überwiegend Sklaven, von den hochspezialisierten Fachkräften abgesehen. Ein Augenzeuge der Einweihungsfeier war der Makedone Poseidippos (316–250) von Kassandreia, in dessen überlieferten Schriften sich Angaben dazu finden.

Plattform:
Der Turm stand auf einer ca. 190 m langen und ebenso breiten, großen steinernen Plattform aus Granit, die zusätzlich mit Götterstandbildern geschmückt war. Nach einigen Quellen war sie mit einem überdachten Säulengang umgeben, ebenso die Zugangsrampe zum Eingang des Pharos, laut Überlieferung antiker Schriftsteller.
Unterer Abschnitt:
Der erste Abschnitt des ungewöhnlichen Bauwerks soll ein zwischen 55 und 65 Meter hoher, sich nach oben verjüngender Pyramidenstumpf aus Kalksteinen mit quadratischer Grundfläche von 30 m Seitenlänge an der Basis gewesen sein. Manche Forscher ziehen eine Marmorverkleidung in Erwägung. Die schweren Steinblöcke wurden mit Blei als Fugenmaterial verbunden, was der Struktur eine gewisse Elastizität gab, die sich angesichts der Erdbeben und des Wellenschlags, denen der Turm trotz Wellenbrechern ausgesetzt war, auszahlte. Die Wände waren strukturiert und mit gelaibten Fensteröffnungen zur Erhellung der Räume versehen. Das gab ihm eher das Aussehen eines Hochhauses, war aber architektonisch bedingt, denn sonst hätte der Turm mit den damaligen Mitteln nicht diese Stabilität und Lebensdauer erhalten. Der massive Sockelabschnitt mit kreisrundem Innenschacht war voller Vorrats-, Lager- und Aufenthaltsräume für Handwerker und Mechaniker, inwendig verlief eine räumlich abgetrennte Rampe an der Schachtinnenwand zum Transport von Materialien mit eselgezogenen Karren oder Packeseln. Der Schacht verlief nach oben weiter bis zur Laterne und erlaubte es, mittels eines Seilaufzuges, Brennmaterial und andere notwendige Dinge bis zur Feuerstelle emporzuhieven. Ein Fries schloss den unteren Sockelbau oben ab. Damit hatte er eine gewisse Ähnlichkeit mit einem ägyptischen Figurenschrein. Die Oberseite des Unterbaus war der Bevölkerung zugängig, auch die Dachplattform. Die Aussicht aus ca. 60 bzw. 100 m Höhe war für die Menschen der damaligen Zeit ein einmaliges Erlebnis, da es außer Bergen keinerlei Erhebungen dieser Höhe gab.
Obere Abschnitte:
Auf dem quaderförmigen Unterbau erhob sich ein Aufbau mit einer Höhe von ungefähr 30 Metern und 11 Metern Seitenlänge. Auf diesem befand sich die Laterna in Form eines 9 Meter hohen Säulenrondells. Über dem Säulenrondell war die eigentliche Lichtquelle mit dem Leuchtfeuer. Den Abschluss bildete eine 7 bis 8 Meter hohe Poseidonstatue. Die Lichtquelle war möglicherweise ein von Archimedes konstruierter Metallhohlspiegel bei Tage und ein Öl- oder Pechfeuer bei Nacht. Das Leuchtfeuer soll nachts 56,4 km weit sichtbar gewesen sein.
Gesamthöhe:
Der Turm war nach seiner Fertigstellung schätzungsweise 115 bis 160 Meter hoch. Damit war er nach den beiden großen Pyramiden von Gizeh für seine gesamte Lebensdauer das dritthöchste Gebäude der Erde.

Die Darstellungen des Pharos auf alexandrinischen Münzen des 2. Jahrhunderts n. Chr. weichen teilweise erheblich voneinander ab. So ist nur auf wenigen Stücken die in den späteren arabischen Quellen beschriebene Dreigliederung des Bauwerks zu erkennen. Dschubair berichtete: „Zu den größten der Wunder, lbst gesehen haben, gehört der Leuchtturm, den Allah gegründet hat mit den Händen derer, denen er diese Fronarbeit auferlegt hat … als Führung für die Reisenden“. Ibn Battuta war Zeuge des endgültigen Verfalls. Als er 1349 zum zweiten Male Alexandria besuchte, war ein Besteigen des Turmes wegen der zu großen Schäden infolge des Erdbebens von 1323 nicht mehr möglich. Der Turm hatte seit dem späten 11. Jahrhundert nach Reparaturen auch nicht mehr seine volle Höhe. Die letzte Erwähnung und Beschreibung des Turmes stammte aus dem Jahr 1435 von Cyriacus von Ancona. In der Renaissance-Zeit war der Turm und die anderen Weltwunder Gegenstand etlicher, eher phantasievoller denn realistischer Darstellungen von Künstlern wie Maarten van Heemskerck, Johann Bernhard Fischer von Erlach und Antonio Tempesta.

Ammianus Marcellinus und andere berichten von einem Seebeben südlich von Kreta am 21. Juli 365 n. Chr., das Alexandria und den Turm schwer betroffen haben soll. Andere Angaben beziehen sich auf das Jahr 769 mit einem Erdbeben,das schwere Schäden am Turm verursacht haben soll. Ein Wiederaufbau soll versucht worden sein.Die abschließende Götterstatue wurde wahrscheinlich schon nach dem Erdbeben im 4. Jahrhundert entfernt – oder am Ende desselben Jahrhunderts, als Kaiser Theodosius I. die alten Kulte verbot (zum Beispiel auch die Gladiatorenspiele und das Orakel von Delphi) und zum Teil massiv gegen Tempel und Götterfiguren vorging. Spätestens zur Zeit der arabischen Eroberer gab es die Götterstatue nicht mehr. Ahmad ibn Tulun, der von 868 bis 884 als Sultan in Ägypten regierte, soll das oberste Geschoss in eine Moschee mit Rundkuppel umbauen haben lassen, so wie es auf einem Mosaik in der Cappella di San Zenone (Zenonkapelle) der Kirche Santa Prassede zu Venedig zu sehen ist, das den Leuchtturm und den Evangelisten Markus darstellt. Nichtsdestoweniger sah Al-Idrisi, der Alexandria im 12. Jahrhundert besuchte, den Turm als Leuchtturm arbeiten. Wiederum zwei Erdbeben in den Jahren 1303 und 1323 zerstörten den Turm weitestgehend. Einzelne Quellen nennen auch 1375. Die Trümmer wurden im Meer liegen gelassen. Schließlich ließ Kait-Bay, der zu der Zeit machthabende Sultan der Mameluken, die Trümmer heben. Die Steine wurden 1480 in seiner Festung an der Küste verbaut.

Kait-Bay-Festung: